Regionale Mobilität neu denken in Thüringen

Das Ziel besteht in einer resilienten, emissionsarmen Mobilitätsstruktur, die regionale Wirtschaftskraft stärkt, soziale Teilhabe fördert und urbane Zentren mit dem ländlichen Raum effizient verbindet. Für Thüringen bedeutet das: Verkehrswende und Raumordnung verknüpfen, CO2-Emissionen deutlich senken, Modalität verschieben und Alltagserreichbarkeit für alle Bevölkerungsgruppen sicherstellen. Konkret richtet smood seine Maßnahmen auf messbare Zielgrößen aus: Steigerung des ÖPNV-Anteils, Erhöhung des Radverkehrs, Ausbau der Ladeinfrastruktur und digitale Zugänglichkeit von Angeboten. Diese Ziele orientieren sich an den Klimazielen der Bundesrepublik bis 2045 sowie an landespolitischen Prioritäten der Thüringer Regierung für eine wirtschaftsstarke und sozial ausgewogene Entwicklung.

Räumlicher Kontext, Verknüpfung von Verkehr und Raumordnung

Räumlicher Kontext, Verknüpfung von Verkehr und Raumordnung

Thüringen mit rund 2,1 Millionen Einwohnern und zentralen Städten wie Erfurt, Jena, Weimar und Gera weist dichte urbane Knoten sowie weite ländliche Übergangsregionen auf. Mobilitätsplanung muss räumliche Verdichtung und Flächenpolitik zusammen denken: Mobilitätsorientierte Quartiersentwicklung ermöglicht kurze Wege, reduziert PKW-Bedarf und schafft Platz für Grünflächen. Gleichzeitig sind regionale Verflechtungen entlang der ICE- und RE-Korridore entscheidend, um Pendlerströme klug zu lenken. Flächennutzungspolitik sollte Standorte für Hubs, Ladepunkte und Mikrodepots priorisieren und so verkehrliche Schnittstellen stärken.

Multimodalität, MaaS und ÖPNV-Integration

Multimodalität, MaaS und ÖPNV-Integration

Multimodalität ist Leitprinzip: Verknüpfung von Bus, Regionalbahn, Rufbusse, Sharing-Angeboten und aktiver Mobilität muss über einheitliche Zugangs- und Bezahlprozesse funktionieren. Mobility as a Service-Plattformen bündeln Angebote, setzen Buchung und Bezahlung zusammen und erhöhen die Nutzerakzeptanz. Im regionalen ÖPNV sind Taktverdichtungen auf Hauptachsen, bessere Umsteigezeiten und verlässliche Regionalverkehre die Basis für Verlagerungen vom Auto. Rufbusmodelle und On-Demand-Angebote schließen Lücken in dünn besiedelten Gebieten und reduzieren Standzeiten.

Thema Ist-Zustand (2023) Ziel 2030 Maßnahmebeispiele
ÖPNV-Nutzung (Fahrten pro Kopf/Jahr) ca. 80 +30% Angebotsverdichtung, integriertes Ticketing in smood-App
Anteil Radverkehr in Städten 12–15% (Erfurt/Jena) 20–25% Kontinuierlicher Ausbau von Radnetzen, sichere Kreuzungen
Öffentliche Ladepunkte ~2.000 in Thüringen pro Kopf Verdreifachung Flächendeckender Ausbau an Parkplätzen, Lastmanagement
On-Demand-Abdeckung ländlich punktuell flächendeckend in Modellregionen Rufbus-Ausbau, Mikro-ÖPNV mit dynamischer Disposition
CO2-Reduktion Verkehr (Basisjahr) Referenz 2019 -40% bis 2035 Elektrifizierung, Modal Shift, urbane Umweltzonen

Feinerschließung, aktive Mobilität und Sharing-Systeme

Feinerschließung erfolgt über On-Demand-Angebote, Mikro-ÖPNV und bedarfsgesteuerte Rufdienste. Diese senken Kosten und verbessern Erreichbarkeit in Gemeinden mit niedriger Nachfrage. Parallel sind Alltagsradverkehr und Fußwege entscheidend: Sichere, direkte Routen zu Bahnhöfen und Haltestellen, kontinuierliche Netzlückenbeseitigung und Abstellanlagen erhöhen den Umstieg. Sharing-Systeme für E-Bikes, E-Scooter und Lastenräder ergänzen das Netz, reduzieren Stellflächenbedarf und fördern lokale Logistik. In Thüringen zeigen Pilotprojekte in Kommunen wie Erfurt und Jena, dass kombinierte Abonnements die Nutzung multiplizieren.

Individualverkehr, Ladeinfrastruktur und urbane Logistik

Reduktion von Emissionen im Individualverkehr basiert auf Elektrifizierung von Flotten, Flottentausch in Kommunal- und Unternehmensfahrzeugen sowie städtischen Umweltbereichen mit differenzierten Parkregeln. Ladeinfrastrukturplanung muss Lastmanagement, Standortpriorisierung und Normkonformität berücksichtigen. Für Stadtlogistik sind Mikro-Hubs in innenstadtnahen Lagen und emissionsarme Zustellfahrzeuge entscheidend. Kombinierte Personen- und Warenlogistiklösungen, etwa konsolidierte Lieferfenster und Radlogistik, verringern Verkehr und verbessern Aufenthaltsqualität.

Digitalisierung, Dateninfrastruktur und Nutzerzentrierte Services

Digitalisierung, Dateninfrastruktur und Nutzerzentrierte Services

Interoperable Plattformen, offene Schnittstellen und eine Open-Data-Strategie sind Voraussetzung für Echtzeitsteuerung, multimodales Routing und personalisierte Services. KI-gestützte Optimierung verbessert Taktung, Energieeinsatz und Disposition von On-Demand-Fahrten. Nutzerzentrierte Angebote beinhalten barrierefreies Ticketing, mehrsprachige Informationen und Zugänglichkeitsdaten für Haltestellen. Datenschutz und DSGVO-Konformität müssen von Anfang an technisch und organisatorisch verankert werden, inklusive klarer Haftungs- und Betriebsregelungen.

Governance, Finanzierung und rechtliche Rahmenbedingungen

Governance, Finanzierung und rechtliche Rahmenbedingungen

Regionale Bündnisse aus Kommunen, Verkehrsverbünden, Land und Unternehmen sind für Umsetzung zentral. Klare Rollenverteilung, transparente Entscheidungsprozesse und flexible Kooperationsmodelle fördern schnelle Skalierung von Maßnahmen. Finanzierung kombiniert öffentliche Mittel, europäische Förderprogramme (EFRE, CEF), Investitionen durch PPP und private Beteiligungen. Wirtschaftlichkeitsanalysen und Nutzen-Kosten-Rechnungen validieren Prioritäten und zeigen Folgekosten von Infrastruktur. Rechtsrahmen muss Betriebsregelungen, Haftungsfragen und Datenschutz regeln sowie Normen für vernetzte Systeme definieren.

Pilotfelder, Evaluation und Innovationsförderung

smood setzt auf Living Labs in ausgewählten Kommunen für Praxistests von MaaS, Mikrodepots und Ladeinfrastruktur. Feldversuche mit klaren KPIs für Nutzung, Umweltwirkung und soziale Effekte ermöglichen datenbasierte Entscheidungen. Erfolgsindikatoren umfassen Fahrgastzahlen, Modal-Split-Veränderung, CO2-Einsparungen und Erreichbarkeitsindizes. Risiken wie technische Ausfälle, Akzeptanzdefizite oder Finanzierungsengpässe werden über iterative Tests, Stakeholder-Partizipation und adaptive Pläne reduziert. Innovationspotenzial entfaltet sich durch Start-ups, lokale Wertschöpfung und skalierbare Geschäftsmodelle, die erfolgreiche regionale Lösungen national transferierbar machen.